Kolostrum: Wundertrank der Natur

12. März 2024

Erblickt ein Säugetier das Licht der Welt, dann kommt es in den ersten Lebenstagen in den Genuss eines ganz besonderen Saftes. Die Milchdrüsen der Mutter sondern eine gelbliche Substanz ab, die es im wahrsten Sinne des Wortes in sich hat. Die als Kolostrum, Erst- oder Vormilch bezeichnete Flüssigkeit ist besonders reich an Enzymen, Proteinen, Aminosäuren, Mineralien, Vitaminen, Wachstumsfaktoren und vor allem Antikörpern. Sie dient als Booster für den perfekten Start ins Leben.

Deshalb ist die Vormilch so wichtig

Mit der Kolostralmilch erhält das Neugeborene eine Extraportion Nährstoffe. Zudem ist der Zellgehalt und der Anteil an Leukozyten im Kolostrum höher als in der nachfolgenden Milch. Die weißen Blutzellen spielen bei der Abwehr von Erregern eine große Rolle. Sie sind ein wichtiger Teil des Immunsystems. Darüber hinaus versorgt die Vormilch den Säugling mit verschiedenen Antikörpern und Lymphozyten. Zytokine, die die Zellen regulieren, sind ebenso nachweisbar wie Wachstumsfaktoren. Besonders hoch ist die Konzentration an Vitamin A. Kohlenhydrate und Fette sind hingegen spärlich vorhanden. Die dickflüssige und gelbe, hin und wieder auch mit etwas Blut versetzte Vormilch, liefert die Nährstoffe in konzentrierter Form. Da Neugeborene noch kein ausgereiftes Verdauungssystem besitzen, bietet das enorme Vorteile. Die dezent abführende Wirkung fördert das Ausscheiden des Darmpechs. Dabei handelt es sich im eigentlichen Sinn nicht um ein Verdauungsendprodukt beziehungsweise um echten Kot, sondern um eine aus Schleimhautpartikeln, abgeschlucktem Fruchtwasser und eingedickter Galle bestehende dunkle Masse. Bleibt das in der Wissenschaft als Mekonium bezeichnete Darmpech aus, dann deutet das auf einen ernst zu nehmenden Darmverschluss hin.

Vom Kalb zur Kuh

Das Kolostrum ist für alle neugeborenen Säugetiere essenziell und spielt auch in der Viehzucht eine wichtige Rolle. Wie beim Menschenkind entscheidet auch beim Kalb die erste Lebenszeit über die weitere Entwicklung. Das betrifft insbesondere die Mahlzeit kurz nach der Geburt. Das beim Rind als Biestmilch bezeichnete Kolostrum besitzt eine starke Bedeutung, denn im Gegensatz zum Menschen erhält das Kalb im Mutterleib keine passive Immunität über den Mutterkuchen. Für die Immunabwehr ist das Kolostrum deshalb von hoher Priorität. Ohnehin sind die ersten Tage für ein Kalb riskant. Etwa jedes zehnte Jungtier übersteht die Aufzuchtphase nicht. Zudem benötigen rund 25 bis 30 Prozent aller Kälber Antibiotika. Das liegt nicht selten an einer nicht ausreichenden Versorgung mit Biestmilch. Infolgedessen erhalten die Kälber in den ersten Lebensstunden zu wenig Immunglobuline. Deshalb sollte ein neugeborenes Kalb mindestens drei Liter Kolostrum zu sich nehmen.

Futterzusätze für die gesunde Kälberaufzucht

Darüber hinaus gibt es speziell für die Kälberaufzucht konzipierte Produkte als Starthilfe, von dem vor allem schwache und anfällige Tiere profitieren. Dazu gehören zum Beispiel Mittel zum Zufüttern, die Verdauungsstörungen und einer veränderten Kotkonsistenz entgegenwirken und Fressunlust und Blähungen bekämpfen. Viele dieser Produkte basieren auf natürlichen Inhaltsstoffen, zum Beispiel auf Wermut, Kamille, Melisse, Fichtensprossen und Apfelpektin. Andere Nahrungszusätze helfen bei Appetitlosigkeit und in Stresssituationen, beispielsweise nach einer schweren Geburt, indem sie die Abwehrkräfte stärken und die Vitalität erhöhen. Darüber hinaus lohnen sich in bestimmten Fällen Zusatzgaben mit Elektrolyten. Und zu guter Letzt tut den neugeborenen Tieren Wärme sehr gut. Aus diesem Grund sind in der Viehzucht Kälberdecken im Einsatz.

Die Biestmilch als Bestandteil der menschlichen Ernährung

Die Milch, die wir im Supermarkt kaufen, ist kein Kolostrum. Es handelt sich hierbei um die fett- und kohlenhydratreiche Aufzuchtmilch. Das Kolostrum der Kuh dient allerdings in einigen Ländern als Grundlage zur Herstellung für Lebensmittel. So besteht zum Beispiel der finnische Leipäjuusto-Käse aus Biestmilch. Im Internet findet man Aussagen, die die Biestmilch als gesund beschreiben. So sagt man, sie soll dazu in der Lage sein, vor Infektionskrankheiten zu schützen, geschädigte Darmschleimhäute zu regenerieren, die Wundheilung zu fördern und allgemein die Leistung zu steigern. Entsprechende Studien konnten wir allerdings in einer schnellen Suche nicht finden, so dass diese Aussagen mit Vorsicht zu betrachten sind. Bekannt ist jedenfalls, dass es Ausdauersportler gibt, die auf Biestmilch schwören. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich die Vormilch vom Rind und vom Menschen nur geringfügig in der Zusammensetzung unterscheidet. Noch hochwertiger soll übrigens die Vormilch der Pferdestute sein, denn diese enthält mehr Immunglobulin G.

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